Was sind neuroendokrine Tumoren (NET)?

Wie entstehen neuroendokrine Tumoren (NET) und warum unterscheiden sich die Beschwerden so sehr von Patient zu Patient?

Was sind Neuroendokrine Tumoren (NET)?

NET ist die Abkürzung für neuroendokriner Tumor. Neuroendokrine Tumoren (NET) entstehen aus neuroendokrinen Zellen. Der Wortbestandteil „neuro“ steht für die Verwandtschaft der Zellen mit Nervenzellen, der Wortbestandteil „endokrin“ bedeutet, dass die Zellen Hormone produzieren.

Hormone sind Botenstoffe, die im Körper wichtige Prozesse steuern. Insulin, ein Hormon der Bauchspeicheldrüse, steuert zum Beispiel den Blutzuckerspiegel. Gastrin regt die Magensäureproduktion an und Serotonin steuert die Darmbewegung.

Entstehung von Neuroendokrinen Tumoren

Generell entstehen Tumoren, wenn bestimmte Kontrollmechanismen der Zelle nicht mehr funktionieren und es zu einem unkontrollierten Wachstum kommt. Neuroendokrine Zellen finden sich vor allem im Magen-Darm-Trakt und der Bauchspeicheldrüse.

Darum entstehen hier die meisten neuroendokrinen Tumoren. Man findet neuroendokrine Tumoren aber auch in Lunge, Thymus, Nebenniere oder Schilddrüse.

Die Ursache für die Entstehung eines neuroendokrinen Tumors ist meist nicht bekannt. Eine Minderheit der neuroendokrinen Tumoren ist im Rahmen einer Multiplen Endokrinen Neoplasie genetisch bedingt und damit vererbbar.

Kommen neuroendokrine Tumoren oft oder eher selten vor?

Neuroendokrine Tumoren sind selten. Ihr Anteil liegt bei 0,5-2 % aller Tumoren. Die Zahl der erkannten neuroendokrinen Tumoren ist jedoch in den letzten Jahren aufgrund der Fortschritte bei der Diagnostik gestiegen.

Für gastrointestinale und pankreatische neuroendokrine Tumoren gibt es weltweit jährlich ca. 2,5-5 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Wie äußert sich die Krankheit?

Symptome und Krankheitsbilder

Die Symptome hängen davon ab, ob ein neuroendokriner Tumor Hormone produziert und welche. Etwa ein Drittel der neuroendokrinen Tumoren produziert Hormone, ist also „funktionell aktiv“. Dann entstehen charakteristische Krankheitsbilder. Zwei Drittel sind „funktionell inaktive“ neuroendokrine Tumoren und verursachen keine hormonellen Symptome.  Sie verursachen erst später Beschwerden infolge des  Tumorwachstums, wie z. B. Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Gelbsucht.

Karzinoid-Syndrom:

Karzinoid-Syndrom entsteht durch eine vermehrte Ausschüttung von Serotonin, vor allem bei Patienten mit Neuroendokrinen Tumoren des Dünndarms und des Wurmfortsatzes. Typische Symptome sind anfallartige Hautrötung (Flush), Bauchbeschwerden und Durchfall. Das Karzinoid-Syndrom tritt in der Regel erst dann auf, wenn sich Lebermetastasen gebildet haben.

Karzinoide des Magens: 

Karzinoide des Magens verursachen meist keine Symptome, führen aber in seltenen Fällen durch Freisetzung von Histamin zum atypischen Karzinoid-Syndrom mit dunkelrotem Flush, Tränenbildung, niedrigem Blutdruck, asthmaartigen Anfällen und Juckreiz. 

Insulinom: 

Insulinom funktionell aktiver neuroendokriner Tumor der Bauchspeicheldrüse. In der Regel kleine,  gutartige Tumoren. Die Insulinfreisetzung führt im Nüchternzustand zu einer starken Absenkung des Blutzuckerspiegels (Hypoglykämie), evt. mit Doppeltsehen, Verwirrtheit, einer Eintrübung des Bewusstseins oder Heißhunger.

Gastrinom: 

Gastrinom funktionell aktiver neuroendokriner Tumor des Magens oder des Zwölffingerdarms. Führt durch den chronisch erhöhten Gastrinspiegel im Blut zu einer überaus starken Säuresekretion im Magen. Die Folgen bestehen im Zollinger-Ellison-Syndrom, mit therapieresistenten Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, Refluxkrankheit und Diarrhö. Gastrinome sind häufig bösartig.

Weitere seltene Neuroendokrine Tumoren

Vor allem in der Bauchspeicheldrüse können sehr seltene neuroendokrine Tumoren auftreten, wie das Glukagonom, das Somatostatinom und das ViPom.

  • Glukagonom
    Glukagon ist der Gegenspieler von Insulin und bewirkt eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels, der wiederum oft zu Diabetes mellitus führt. Ein weiteres Symptom ist ein charakteristischer Hautausschlag. 
  • ViPom
    Das ViPom beruht auf der verstärkten Freisetzung des Vasoaktiven Intestinalen Peptids (VIP), das die Darmschleimhaut zur Abgabe von Flüssigkeit anregt. Symptome sind u. a. wässrige Stühle sowie Mineralien- und Wassermangel (Dehydrierung).
  • Somatostatinom
    Somatostatin hemmt die Produktion anderer Hormone wie z. B. Insulin, Glukagon oder Gastrin. Patienten entwickeln Diabetes mellitus und leiden an Diarrhö, Fettstuhl oder Gallensteinen (Cholelithiasis). Somatostatinome können auch im Zwölffingerdarm entstehen.

Patientenzitat:
„Im Nachhinein betrachtet, waren meine Symptome sehr typisch für das Karzinoid-Syndrom – trotzdem wurde die Diagnose erst drei Jahre nach Auftreten der ersten Symptome gestellt. Die ersten Anzeichen fand nämlich niemand alarmierend – weder ich noch die Ärzte. Es fing damit an, dass ich bei Vorträgen im Beruf plötzlich Gesichtsrötungen mit weiß-roten Flecken bekam. Das verwunderte mich, weil ich bis dahin nie Probleme beim Reden vor einer Gruppe hatte. Aber der Betriebsarzt meinte, dass ich wohl einfach zu viel Stress hatte. Zusätzlich hatte ich häufiger mal Probleme mit Blähungen. Aber auch hier hieß es: ‚Das ist Stress‘ oder: ‚Da haben Sie einen empfindlichen Magen.‘ Die Sache wurde störender, als es zu Durchfällen kam. Erst zweimal pro Monat, dann zweimal pro Woche und schließlich zweimal pro Tag. Das beunruhigte mich schon, aber ich dachte, dass das irgendwelche Lebensmittelallergien sind. Die Ärzte vermuteten schließlich eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, einen Morbus Crohn.
Zu der Zeit sagten mir auch verschiedene Leute, dass ich so schmal aussehen würde im Gesicht – ob alles in Ordnung wäre. Aber ich führte den Gewichtsverlust auf die vielen Durchfälle zurück und fühlte mich ansonsten auch gut. Ich ging weiterhin joggen und habe ungefähr acht Wochen vor der Diagnose noch eine mehrtägige Radtour durch die Alpen gemacht. Einen richtig massiven Flush mit Atemnot, starkem Halskratzen, Schluckbeschwerden, rotem Kopf und schnellem Puls hatte ich dann das erste Mal eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit. Ich war nur knapp einem Autounfall entkommen und führte die Symptome daher auf den Schock zurück. Erst 2008 wurde im Rahmen einer Darmspiegelung dann das Karzinoid entdeckt.“
Patient*, 52 Jahre

Die Voraussage des Krankheitsverlaufs (Prognose) hängt von zahlreichen Faktoren ab.

Die Voraussage des Krankheitsverlaufs (Prognose) hängt von zahlreichen Faktoren ab. Zum einen von der Ausbreitung des Tumors im Körper. Bösartige Tumoren sind invasiv, das heißt sie können die Grenze zu Nachbarorganen oder Blutgefäßen überschreiten, Lymphknoten befallen und Metastasen bilden. Günstig ist, wenn dies noch nicht geschehen ist. Gutartige Tumoren sind grundsätzlich nicht invasiv. Neuroendokrine Tumoren werden seit der neuen WHO-Klassifikation von 2010 generell als potentiell bösartig angesehen – sie unterscheiden sich jedoch stark in ihrer Wahrscheinlichkeit Metastasen zu bilden. Meist ist eine lebenslange Nachsorge notwendig.

Zum anderen spielen die funktionelle Aktivität und der Ort der Tumorentstehung für den Krankheitsverlauf eine Rolle. Wichtige Informationen ergeben sich zudem aus der Untersuchung des Tumorgewebes. Damit kann man Tumoren im Rahmen einer  Klassifikation gewissen Gruppen zuordnen und so abschätzen, wie ein neuroendokriner Tumor auf eine bestimmte Therapie anspricht.

Aufgrund des meist langsamen Tumorwachstums leben viele Patienten sehr lange mit ihrer Krankheit, mitunter selbst dann, wenn der Tumor bereits Metastasen gebildet hat. Es kommen jedoch auch aggressive neuroendokrine Tumoren vor, die rasch wachsen und metastasieren.

Patientenzitat:
„23 Jahre ist es nun her, dass ich die Diagnose Neuroendokriner Tumor –Karzinoid der Lunge mit Metastasen – bekam. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich heute hier noch sitze. Aber glücklicherweise wächst mein Tumor nur sehr langsam. Durch die Therapie ist der Verlauf seit 2001 stabil, der Tumor wächst eigentlich gar nicht mehr. Ich bin sehr zufrieden, dass es mir trotz der Krankheit schon so lange Zeit gut geht.“

Patient*, 57 Jahre

Hier finden Sie verschiedene Klassifikationssysteme bei NET.

Weitere Informationen, auch zum Ki-67 Index finden Sie hier

Patientenzitat:
„Mein Neuroendokriner Tumor wurde als fortgeschrittener, hochdifferenzierter, gastrointestinaler Tumor mit niedriger Wachstumsrate klassifiziert. Etwas beruhigt hat mich die niedrige Wachstumsrate und dass der Tumor und die Lebermetastasen operiert werden konnten.“

Frau H. B.*, 56 Jahre

 

Ca. 5-10% der NET im Magen-Darm-Trakt und
der Bauchspeicheldrüse haben einen genetischen Hintergrund...

MEN ist die Abkürzung für Multiple Endokrine Neoplasien. Ungefähr 5-10 % der neuroendokrinen Tumoren im Magen-Darm-Trakt und der Bauchspeicheldrüse haben einen genetischen Hintergrund. Dazu gehört das MEN-1-Syndrom, bei dem Tumoren meist an mehreren Stellen gleichzeitig, vorwiegend in den Inselzellen des Pankreas, der Hypophyse und den Nebenschilddrüsen auftreten. Bei MEN-2 finden sich als weitere Tumoren z. B. das medulläre Schilddrüsenkarzinom oder das Phäochromozytom. MEN-1 und MEN-2 können vererbt werden. Der Arzt muss daher bei der NET-Diagnose die Familiengeschichte gründlich überprüfen, damit Patienten mit genetisch bedingten neuroendokrinen Tumor rechtzeitig erkannt und genetisch beraten und Nachkommen ggf. frühzeitig überwacht werden können.

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